3.170 m Steinzeugrohre für den Neuanfang
Leighton-Barracks in der Konversion

Autor: Engelbert Pawlik, Steinzeug-Keramo GmbH

Das riesige Leighton-Areal mit der ehemaligen US-Army Kaserne „Leighton-Barracks“ in Würzburg, befindet sich derzeit in der so genannten Konversion: Die 134,5 Hektar große Fläche – annähernd so groß wie Würzburg‘s Altstadt innerhalb des Ringparks – wird in die zivile Nachnutzung umgewidmet. In den nächsten zwei Jahrzehnten entsteht hier der neue Stadtteil Hubland mit „durchgrünten Quartieren mit unterschiedlichen Wohnformen, Büros, Dienstleistungen, Forschungseinrichtungen, sozialer Infrastruktur sowie Sport- und Freizeitangeboten benachbart zur Würzburger Universität“. Große Freiraum- und Grünbereiche für die nachhaltige, energie- und klimagerechte Entwicklung des Stadtteils werden zusätzlich im Rahmen der Bayerischen Landesgartenschau 2018 geschaffen.  

Berge versetzen, Böden bewegen

Für ein Projekt dieser Dimension steht allein im Tiefbausektor eine Großzahl von Baumaßnahmen an: Für Straßenbauarbeiten, Ingenieurbauwerke der Kanalisation sowie der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung müssen tausende Kubikmeter Boden bewegt und verbessert werden. Eine Vielzahl von Leitungsgräben und Erdbecken wird ausgehoben, zahlreiche Leitungen und Schächte eingebaut und tausende Straßenbord- und -Leistensteine gesetzt. Eine wichtige Maßnahme im Zuge der Tiefbauarbeiten ist neben der versorgungstechnischen- selbstverständlich auch die entwässerungstechnische Erschließung.

Bestände erfassen, Leitungen neu bauen

Die ehemaligen Leighton-Barracks verfügten über eine überaus weitläufige Kanalisation (34 km), die jedoch auf die speziellen Nutzungen eines Kasernengeländes bzw. die militärischen Anlagen abgestimmt war.

Das Areal wurde komplett überplant, um in den nächsten zwei Jahrzehnten hier einen neuen, lebendigen Stadtteil mit hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität für rund 4.500 Bewohner entstehen zu lassen. Durch die neugeordnete Erschließung werden rund 1/3 der Straßenflächen entsiegelt. Lage und Funktion des Kanalbestandes entsprachen daher nicht mehr den neuen Anforderungen. Die Planungsgemeinschaft Maier/Köhl aus Würzburg entwickelte im Auftrag des Entwässerungsbetriebs Würzburg (EBW) ein wirtschaftliches Entwässerungskonzept unter Einbeziehung geeigneter Bestandskanäle.

Im Ergebnis wurde der Bedarf von insgesamt 9 km neuer Kanalleitungen festgestellt. In diesen 9 km sind neben Hauptleitungen auch die Hausanschlussleitungen sowie die 2.000 m Kanal, die erst nach Ende der Landesgartenschau im Jahr 2018 gebaut werden, enthalten.

Nachhaltig planen, Steinzeugrohre verwenden

Im Frühjahr diesen Jahres fiel der Startschuss für den ergänzenden Neubau der Kanalisation. Mit der Herstellung der 3 bis 4 m, abschnittsweise sogar 6  bis 10 m tiefen Leitungsgräben wurden ca. 22.750 m3 Boden ausgehoben; rund 9.300 m3 davon entsprechen der Bodenklasse 6 (leicht lösbarer Fels und vergleichbare Bodenarten) und 7 (schwer lösbarer Fels). Für den größten Teil des neuen Kanals kamen Steinzeugrohre zum Einsatz: Seit Generationen sind Steinzeugrohre bis zur Nennweite DN 600 ein wesentlicher Bestandteil der anspruchsvollen Entwässerungsgrundsätze der Stadt Würzburg. Damit tragen die Verantwortlichen den Umweltaspekten vor allem in Hinblick auf die Nachhaltigkeit Rechnung. Die insgesamt 3.170 m langen Abwasserrohrleitungen verteilen sich wie folgt:

1.620 m Steinzeugrohrleitung mit der Nennweite DN 300  
750 m Steinzeugrohrleitung mit der Nennweite DN 400  
260 m Steinzeugrohrleitung mit der Nennweite DN 500  
540 m Steinzeugrohrleitung mit der Nennweite DN 600

Aufgrund des ausgezeichneten Planungsverlaufs seitens der Verantwortlichen sowie der Leistungsfähigkeit des ausführenden Bauunternehmens wird der Kanalbau nach weniger als fünf Monaten Bauzeit abgeschlossen sein.

Leitungssystem ergänzen, Erschließungsarbeiten beenden

Zur entwässerungstechnischen Erschließung des Hublandes gehören:

1.500 m Kanalrohrleitung mit anderen Werkstoffen
100 Stück Stahlbeton- Fertigteilschächte DN 1200
18 Stück Stahlbeton- Fertigteilschächte DN 1500
5 Stück Stahlbeton- Fertigteilschächte DN 2000
140 Stück Kanalhausanschlüsse

Wenn alles nach Plan verläuft, sollen Ende November 2016 die Erschließungsarbeiten des 1. Bauabschnitts der rund 134,5 Hektar großen Konversionsfläche abgeschlossen sein. Dann stehen alle Türen offen für Würzburg‘s neuen Stadtteil Hubland und die Landesgartenschau 2018.

 

Auftraggeber Gesamt-Erschließungsmaßnahmen: Stadt Würzburg, Baureferat / Fachabteilung Tiefbau, Würzburg | Auftraggeber Entwässerungsarbeiten: Entwässerungsbetrieb Würzburg, Eigenbetrieb der Stadt Würzburg | Planung: Planungsgemeinschaft Ingenieurbüro Maier GmbH, Würzburg, Tiefbautechn. Büro Köhl Würzburg GmbH, Würzburg | Bauausführung: Depenbrock Bau GmbH & Co. KG, Stemwede | Baustoff-Fachhändler: SGBD Deutschland GmbH, Bad Mergentheim

 

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