Steinzeugrohrvortrieb DN 1200 mit Dehnerstation

Klaus Ellermeier, Steinzeug-Keramo
Christel Flittner, Steinzeug-Keramo
Friedrich Pröve, Stadtentwässerung Peine

Die niedersächsische Stadt Peine liegt in einer Geestlandschaft zwischen Hannover und Braunschweig. Am Rande des Ortsteils Dungelbeck, im Landschaftsschutzgebiet „Dungelbecker Bruch“, wurde es notwendig, die Zuleitungen zur Abwasserpumpstation aus hydraulischen und baulichen Gründen zu erneuern. Da wenig Platz zur Verfügung stand – die gesamte Trasse verläuft durch das Landschaftsschutzgebiet, parallel zu einem Graben – entschied man sich, die Steinzeugrohre mittels gesteuertem Rohrvortrieb einzubauen.

Landschaftsschutz als Argument
Der gesteuerte Rohrvortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust bot sich an, da

  • parallel zur geplanten Trasse andere in Betrieb befindliche Kanäle lagen
  • die Grundwasserstände teilweise bis über die Geländeoberkante reichten und
  • die Leitungstrasse unter einem geschlossenen Bruchwaldbestand verlaufen musste

Der Bruchwald, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, machte zudem die Anfahrt zur Trasse schwierig bis ganz unmöglich.

Allein die Lage im Landschaftsschutzgebiet erlaubte einzig und allein einen unterirdischen, möglichst störungsfreien Einbau der Zuleitungen (Bild 1).

Einbau im Grundwasser
Die erste Schmutzwasserleitung wurde mit Steinzeug-Vortriebsrohren DN 400 in drei Strecken gepresst: 123 m, 133 m und 39 m Länge. Parallel zu dieser Trasse erfolgte die Pressung für die Mischwasserleitung mit Steinzeug-Vortriebsrohren DN 1200 (Bild 2). Die längste hier gefahrene Vortriebsstrecke (längste Haltung) betrug knapp 260 m, die ohne Zwischenschacht problemlos gemeistert wurden. Aufgrund der Länge der Strecke wurde eine verlorene Dehnerstation mit entsprechendem Dehnervor- und Dehnernachlaufrohr eingesetzt, die aber aufgrund der geringen Vorpresskräfte nicht aktiviert werden musste (Bild 3).
Eine zweite Haltung hatte 43 m.

Der Kies-/Sandboden stellte erfahrungsgemäß keine größeren Probleme für den Vortrieb dar. Die Rohrsohlentiefe reicht bis ca. 3,60 m, die Überdeckung beträgt im Mittel 1,70 m. Start- und Zielbaugrube wurden als geschlossene Spundwandkästen ausgeführt. Zum Schutz vor eindringendem Grundwasser mussten die Bodenbereiche um die Ein- und Austrittsöffnungen vergelt werden (Bild 4).

Landschaftsschutz rundum
Die gesamte Maßnahme konnte innerhalb von 14 Monaten – davon rund acht Monate Dauer für den Rohrvortrieb – erfolgreich abgeschlossen werden. Die Peiner Bürger haben nun neue Zuleitungen, die perfekt in das Landschaftsschutzgebiet integriert wurden, denn Steinzeugrohre bestehen aus natürlichen Rohstoffen, verhalten sich neutral zu Boden und Grundwasser, sind umweltfreundlich und recycelbar.

Die ca. 1,8 Mio. Euro Gesamtkosten werden aus den laufenden Abwassergebühren getilgt; bei 80 Jahren Abschreibungszeit eine überschaubare Finanzierung.


Auftraggeber
Stadtentwässerung Peine, Eigenbetrieb der Stadt

Planung und Oberbauleitung
bpi Hannover · Verworn, Hannover

Bauleitung Vortrieb
Dipl.-Ing. Gajowski GmbH, Baunatal

Bauleitung Gesamtmaßnahme
Stadtentwässerung Peine

Baugrundgutachten
Dr. Pelzer und Partner, Hildesheim

Bauausführung
STRABAG AG Niederlassung Braunschweig/Magdeburg
Vortrieb
STRABAG AG Niederlassung Berlin

Baustoffachhändler
HTI Bär & Ollenroth KG, Berlin

Lageplan für die Zulaufsammler des Pumpwerks Peine-Dungelbeck
Lageplan für die Zulaufsammler des Pumpwerks Peine-Dungelbeck
Nach Steinzeugvortriebsrohr DN 1200, Nr. 17, wurde eine verlorene Dehnerstation eingebaut
Nach Steinzeugvortriebsrohr DN 1200, Nr. 17, wurde eine verlorene Dehnerstation eingebaut
Die eingesetzte Dehnerstation musste aufgrund der geringen Vorpresskräfte nicht aktiviert werden
Die eingesetzte Dehnerstation musste aufgrund der geringen Vorpresskräfte nicht aktiviert werden
Start- und Zielbaugruben wurden als geschlossene Spundwandkästen ausgeführt
Start- und Zielbaugruben wurden als geschlossene Spundwandkästen ausgeführt