TOLENTINO – EIN NEUES ABWASSERSYSTEM NACH DEM GROSSEN BEBEN

Tolentino liegt in einer geologisch fragilen Zone in Mittelitalien, in der die Erde seit über 10 Jahren kaum zur Ruhe kommt. Nach dem verheerenden Beben in den Abruzzen 2009 mit vielen Toten traf die knapp 20.000 Einwohner große Stadt 2016 ein Erdstoß, der mit 6,6 auf der Richterskala sogar noch viel stärker war. Tolentino hatte Glück im Unglück: Es gab keine Toten, weil die Bewohner alarmiert waren. Dafür stürzten viele Gebäude ein – und sogar das Abwassernetz war teilweise zerstört. Es war Zeit für ein neues, besseres.

Man sagt den Menschen in Italien Zukunftsgewandtheit und Optimismus nach – und tatsächlich gingen die Verantwortlichen in Tolentino nach dem Beben unverzüglich in die Planung des Wiederaufbaus. Nicht nur Wohnraum für die Bevölkerung musste wiederhergestellt werden, sondern auch die Infrastruktur. Bei der Entscheidung für ein neues Kanalnetz entschied man sich für das Material Steinzeug und für getrennte Ableitung von Abwasser und Regenwasser.


Für ein Neubaugebiet in einem der am stärksten betroffenen Gebiete wurden etwa 850 Meter Steinzeugrohre in verschiedenen Durchmessern verlegt, vor allem die zentrale Erschließung mit Durchmessern von DN 600 bis DN 800 war hier von Bedeutung. Der lokale Infrastrukturanbieter ASSM hatte den Auftrag nach einer öffentlichen Ausschreibung an das Bauunternehmen Massicci vergeben. Eingebunden war zudem das Planungsbüro Idraulica & Ambiente.



Getrenntes System in bis zu 6 Meter Tiefe

Das Projekt mit einem Volumen von 550.000 Euro wurde in offener Bauweise realisiert. Die Rohre wurden parallel in einer Tiefe zwischen zwei und sechs Metern verlegt, wobei die Ableitung des Regenwassers über DN-250-Rohe erfolgte und die Abwasserrohre in drei Abschnitten mit zunehmendem Durchmesser gebaut wurden. Der Untergrund ist sandig bis kiesig, sodass die Stabilisierung des Grabens von großer Bedeutung war.

Tolentino ist ein Beispiel für die Haltung, mit der in Italien häufig die urbane Zukunft angegangen wird. Selbst Naturkatastrophen können den Tatendrang nicht bremsen, im Gegenteil: die Gelegenheit, nachhaltige Lösungen zu schaffen, packen die Verantwortlichen dann erst recht beim Schopf. So entstehen immer mehr moderne Kanalnetze, die hohe Anforderungen an Umweltverträglichkeit und Langlebigkeit erfüllen. Denn Italien ist längst eine Vorreiternation beim Thema Umwelt.






Bauherr:
ASSM SPA

Auftragnehmer: (ausführendes Unternehmen)
MASSICCI SRL