HANNOVER – PRÄZISIONSARBEIT AUF KLEINSTEM RAUM

Die Haltestelle Bothfeld bekommt einen Hochbahnsteig. Lange zog sich die Entscheidung hin, zuletzt änderte man die Planung für die Baustelle, um eine Parkanlage zu schonen und reduzierte deren Fläche zugunsten erhaltenswerter Bäume erheblich. Die Durchgangsstraße konnte nur teilgesperrt werden und im homogenen Sandboden stieß man überraschend und entgegen der geologischen Aufschlüsse auf partielle Mergeleinlagerungen.

Der barrierefreie Umbau der Hannoveraner Stadtbahnhaltestellen ist ein Langfristprojekt, das im Juni 2020 die wichtige Haltestelle Bothfeld erreichte, deren Knotenpunkt an den stark frequentierten Hauptverkehrsstraßen Kugelfangtrift/Sutelstraße liegt. Der Kanalbau musste unter laufendem Betrieb der Üstra-Stadtbahn und den beengten Platzverhältnissen erfolgen. Sperrungen für den Durchgangsverkehr waren nur eingeschränkt möglich.

Die erforderliche Querung der Gleisanlagen unter laufendem Betrieb des Schienenverkehrs konnte nicht konventionell im offenen Rohrgraben, sondern musste im unterirdischen Vortriebsverfahren hergestellt werden. Aufgrund der geologischen Verhältnisse und der hohen Grundwasserstände kam hier das steuerbare Microtunneling mit Spül- und Schneckenförderung zum Einsatz. Bis Mitte Juli 2021 soll der Kanalbau beendet sein. Das Baufeld wird dann an den nachfolgenden Gleisbau übergeben.

Die überraschend abweichende Geologie verlangte nach alternativen Lösungen

Die STEIN-Ingenieure GmbH übernahmen Planung, Ausschreibung und Bauleitung, die Ausführung wurde der Bauunternehmung Max Kroker und der MEYDER GmbH übertragen. Hier kennt man sich mit Steinzeug aus, Hannover setzt seit vielen Jahrzehnten auf das bewährte Material. Aus der Produktreihe KERA.Drive wurden Rohre mit Durchmessern zwischen DN 250 und DN 400 eingesetzt. Die vier Haltungslängen für den Vortrieb betrugen insgesamt knapp 300 Meter.

Die Verkehrsbetriebe hatten ihr Budget bereits aufgestockt, um das anspruchsvolle Projekt bei schwierigeren Rahmenbedingungen in der vorgegebenen Zeit abzuschließen. Es wurden gleichzeitig mehrere Start- und Zielgruben gebaut, von denen aus der Vortrieb stattfinden sollte. Als sich trotz Bodengutachten und erfolgreicher, positiver Sondierungen herausstellte, dass aufgrund von erheblichen Mergelablagerungen im Sandboden der ursprünglich geplante Vortrieb mit den gewählten Nennweiten DN 250, DN 300 und DN 400 nicht funktionierte, entschieden sich die Betreiber für die Verlegung der Kanäle in einem Mantelrohr, Stb. VT-DN 700.

Durch die kritischen Bereiche mit Mergel wurden nun Stahlbetonrohre mit einem Durchmesser von DN 700 (maximaler Durchmesser, der durch die bereits erstellten Start- und Zielgruben limitiert wurde) geführt. Sie dienen als Mantelrohre, durch die alle Schmutzwasserführungen als Medienrohre eingeschoben wurden – sozusagen eine Rohr-in-Rohr-Lösung, für die die bestellten Komponenten ohne weiteres eingesetzt werden konnten. Die letzten 60 Meter der Haltung wurden im konventionellen offenen Verfahren unter Absenkung des Grundwassers verlegt.

Minimalinvasiver Eingriff in einem sensiblen Infrastrukturgefüge

Eine überraschend abweichende Geologie kann für große Herausforderungen im Baustellen-management sorgen. Im vorliegenden Fall war das oberste Ziel der Stadt Hannover und ihrem Eigenbetrieb, die Funktion der oberirdischen Infrastruktur so wenig wie möglich zu stören – sowohl den Straßenverkehr als auch den Einsatz der Stadtbahn selbst. Dies ist mit der eingesetzten Lösung gelungen. Die neue Abwasserinfrastruktur ist verlegt, derzeit wird noch an Gleisen, Straßen und dem Hochsteig gearbeitet. Der geplante Fertigstellungstermin ist nicht in Gefahr.

Die beteiligten Baupartner konnten mit den auftretenden Schwierigkeiten souverän umgehen und verwendeten die gelieferten Vortriebsrohre auch dort, wo das klassische Vortriebsverfahren  nicht angewendet wurde, um einen unnötigen Austausch und zusätzlichen Transport zu vermeiden.

 

Bauherr:
Stadtentwässerung Hannover und infra

Auftragnehmer: (Planung, Bauleitung, Bauoberleitung)
STEIN-Ingenieure GmbH

Ausführendes Unternehmen:
Max Kroker Bauunternehmung, MEYDER GmbH  

Zuständiger Gebietsleiter: (Steinzeug-Keramo)
Eric Niehaus